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Tetanus-Impfung: Warum gegen Tetanus (Wundstarrkrampf) impfen?

Das Bakterium (Clostridium tetani), welches Tetanus (Wundstarrkrampf) verursacht, ist weltweit im Erdreich verbreitet. Es kann aber auch im Darminhalt und den Ausscheidungen von Pferden gefunden werden, seltener bei Rindern und anderen Tieren. Bereits eine kleine Bagatellverletzung genügt, damit der Erreger in den Körper eindringen und eine Infektion verursachen kann. Auch hierzulande kann die Erkrankung immer noch tödlich verlaufen.(1)

Fakten zu Tetanus(1,2)

  • Eine Erkrankung an Tetanus verläuft bei 10 bis 20 % der Betroffenen trotz moderner intensivmedizinischer Betreuung tödlich.
  • Die Krankheit wird nicht durch das Bakterium selbst, sondern durch dessen ausgeschiedenes Gift (Tetanus-Toxin) verursacht.
  • Übertragung über Verletzungen der Haut z.B. bei der Gartenarbeit, beim Spielen mit Erde oder im Sandkasten oder bei Kontakt mit Pferdekot (auch kleine Verletzungen sind ausreichend, wie zum Beispiel ein Stich mit einem Dorn oder ein Kratzer).
  • In Deutschland ist laut Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) die Tetanusinzidenz aufgrund hoher Impfquoten sowie verbesserter Lebensbedingungen sehr niedrig. In den letzten Jahren wurden vereinzelte Fälle v.a. bei älteren Erwachsenen verzeichnet.
  • Insbesondere nach tiefen, verschmutzten Verletzungen, bei Quetschwunden oder Verbrennungen sowie bei Biss-, Stich- und Schusswunden sollte der Tetanus-Impfschutz überprüft werden. Reicht dieser nicht aus, sollte unverzüglich eine Tetanus-Immunprophylaxe durchgeführt werden.

Tetanus-Symptome und mögliche Folgen(1,2,3)

Erste Symptome können bereits einen Tag nach dem Kontakt mit dem Erreger auftreten, meist erfolgt der Ausbruch der Tetanus-Erkrankung aber innerhalb von 3 Tagen bis 3 Wochen. Dabei kann es zu einem Spannungsgefühl an der Wunde kommen, manchmal begleitet von Schwitzen, Unruhe und Kopfschmerzen. Weitere Krankheitszeichen sind durch das Tetanus-Toxin bedingte neurologische Störungen, die durch einen erhöhten Muskeltonus und Krämpfe gekennzeichnet sind. Besonders charakteristisch dabei ist der Gesichtsausdruck eines Tetanus-Erkrankten, der einem fixierten Lächeln (Risus sardonicus) gleicht. Muskelkrämpfe können plötzlich auftreten, sehr schmerzhaft sein und ganze Muskelgruppen umfassen. Durch Spasmen können z.B. Brüche im Bereich der Wirbelsäule entstehen, wobei die betroffene Person bei Bewusstsein bleibt. Bei dieser generalisierten Form des Tetanus sterben auch bei guter medizinischer Versorgung 10 – 20 % der Erkrankten v.a. in Folge von Ateminsuffizienz oder Komplikationen im Herz-Kreislauf-System. Liegt z.B. aufgrund einer länger zurückliegenden Impfung eine Teilimmunität vor, treten die beschriebenen Symptome oft in abgeschwächter Form an der Eintrittspforte des Erregers auf (lokale Tetanuserkrankung) und die Erkrankung hat eine bessere Prognose.

Bei Neugeborenen (neonatale Form) kann es durch mangelnde Hygiene im Rahmen der Geburt und durch den fehlenden Nestschutz bei zuvor nicht geimpften Müttern zu einer Tetanusinfektion kommen. Der Neugeborenen-Tetanus tritt in den ersten beiden Lebenswochen auf und verläuft meist tödlich. Im Jahr 2017 sind nach Angaben der WHO weltweit noch ca. 30.800 Neugeborene v.a. in armen Ländern und Regionen ohne reguläre med. Versorgung gestorben. Im Vergleich zur Situation vor ca. 30 Jahren sind die Sterbezahlen an Neugeborenen-Tetanus dank intensiver Impf- und Hygieneprogramme deutlich zurückgegangen: im Jahr 1988 waren daran noch ca. 787.000 Neugeborene innerhalb ihres ersten Lebensmonats laut Schätzung der WHO gestorben.

Bei Verdacht auf eine Tetanus-Erkrankung muss schnellstmöglich humanes Tetanus-Immunglobulin (HTIG) gegeben werden, um die zur Neutralisierung von noch nicht gebundenem Toxin zu erreichen. Bereits an Neuronen gebundenes Tetanus-Toxin kann nicht mehr entfernt werden. Außerdem sollte umgehend eine gründliche chirurgische Wundversorgung erfolgen. Eine antibiotische Behandlung ist ergänzend empfohlen, um erreichbare Tetanusbakterien als Quelle der Toxinbildung abzutöten.

Tetanus-Impfempfehlung(1,4,5)

  • Sowohl Kinder als auch Erwachsene sollten laut Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) gegen Tetanus immunisiert sein. Auf keinen Fall sollte man das Risiko eingehen, erst bei einem Unfall zu impfen. Gerade bei sog. Bagatellverletzungen wird oft kein Arzt aufgesucht und damit auch nicht geimpft.
  • Die STIKO empfiehlt für alle Kinder 4 Impfungen im 1. bzw. zu Beginn des 2. Lebensjahres (Grundimmunisierung):
    • 1. Impfung ab der 9. Lebenswoche
    • 2. Impfung ab dem vollendeten 3. Lebensmonat
    • 3. Impfung ab dem vollendeten 4. Lebensmonat
    • 4. Impfung im Alter von 11 bis 14 Lebensmonaten
  • Die Tetanus-Impfung erfolgt im Säuglingsalter i.d.R. mit einem Kombinationsimpfstoff, der gleichzeitig gegen Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis), Kinderlähmung (Poliomyelitis), Hib (Haemophilus influenzae Typ b) und Hepatitis B schützt.
  • Auffrischimpfungen werden von der STIKO für Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 6 Jahren zusammen mit der Impfung gegen Diphtherie und Keuchhusten (Pertussis) und nochmal im Alter von 9 bis 16 Jahren, bei der zusätzlich noch die Impfung gegen Kinderlähmung (Polio) hinzukommt, empfohlen.
  • Erwachsene benötigen alle 10 Jahre eine Auffrischimpfung zusammen mit der Impfung gegen Diphtherie sowie einmalig gegen Keuchhusten (Pertussis), sofern sie in den letzten 10 Jahren nicht gegen Keuchhusten geimpft worden sind.
  • Im Falle einer Verletzung ohne ausreichenden Impfschutz ist eine postexpositionelle Impfung unverzüglich durchzuführen.

Tetanus-Impfung: Mögliche Impfreaktionen(2)

Der Tetanus-Impfstoff ist ein gut verträglicher Totimpfstoff, der als Kombinationsimpfstoff mit Diphtherie und Keuchhusten (Pertussis) als 3-fach-Impfung oder mit weiteren indizierten Antigenen (z.B. 6-fach- oder 5-fach-Impfung) erhältlich ist. Als Zeichen einer Reaktion des Immunsystems können Rötung, Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle auftreten. In den ersten 3 Tagen nach der Impfung kann die Körpertemperatur ansteigen. Auch kann es in diesem Zeitraum zu Frösteln, Müdigkeit, Muskelschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden kommen. Sehr selten sind dagegen allergische Reaktionen oder Erkrankungen des Nervensystems mit Lähmungen, Gefühlsstörungen, Erschöpfungszuständen, Übererregbarkeit oder gar fortschreitenden Ausfällen. Je nach verwendetem Kombinationsimpfstoff können sich die Impfreaktionen oder Nebenwirkungen geringfügig unterscheiden.

Weitere Informationen zu sehr seltenen Impfreaktionen und Nebenwirkungen finden sie auf den Internetseiten des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Quellen:

  1. RKI Ratgeber Tetanus – abgerufen am 15.05.2019
  2. BZgA: Impfen-Info – abgerufen am 15.05.2019
  3. WHO: Tetanus (Stand 29.4.2019) – abgerufen am 15.5.2019
  4. Aktuelle STIKO-Empfehlungen  – abgerufen am 10.05.2019
  5. RKI: FAQs Tetanus-Impfung – abgerufen am 11.01.2019

Letzte Aktualisierung: 26.04.2019

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