Handlungsfeld 3: Förderung impffreundlicher Infrastruktur

Die strukturelle Impfförderung zielt darauf ab, das Versorgungsangebot für die HPV-Impfung zu verbessern, um vermehrt Gelegenheiten für die HPV-Impfung zu schaffen und einen niedrigschwelligen Zugang zu Impfungen zu gewährleisten. Zudem können ein optimiertes Impfmanagement sowie Einladungs- und Recall-Systeme dazu beitragen, dass Impfungen rechtzeitig und effizient angeboten und nicht vergessen werden.

Viele Ideen und Initiativen wurden bereits entwickelt und manches umgesetzt. Das Handlungsfeld „Impffreundliche Infrastruktur“ zeigt Maßnahmen und Perspektiven auf, die auf kommunaler, Länder- und Bundesebene weiterentwickelt werden können. Das Handlungsfeld „Impffreundliche Infrastruktur“ zeigt Maßnahmen und Perspektiven auf, die auf kommunaler, Länder- und Bundesebene weiterentwickelt werden können.

Hintergründe

Die HPV-Impfquote hat sich in den vergangenen Jahren unterschiedlich in Europa entwickelt, in vielen europäischen Ländern liegt sie höher als in Deutschland. So lag die Quote im Jahr 2023 für die zweite Impfdosis bei 15-jährigen Mädchen zum Beispiel in Finnland bei 76% und in Spanien bei 85%, in Deutschland waren 54% der 15-jährigen Mädchen vollständig geimpft (WHO-Daten: "HPV vaccination coverage"). Faktoren, die eine Inanspruchnahme der Impfung begünstigen sowie ihre Hürden sind Gegenstand verschiedener Studien. Ergebnisse weisen auf 3 wesentliche Felder hin, die Stellschrauben für eine Impfquotenerhöhung darstellen können (RKI-Interventionsstudie InveSt HPV; »digiMed-HPV«-Abschlussbericht):

  1. adressatengerechte Ansprache und Zugang zu Informationen,
  2. niedrigschwellige Impfangebote sowie
  3. Erinnerungs- und Einladungssysteme.

Die Handlungsfelder 1 und 2 des Konzepts widmen sich der Information und Kommunikation, Handlungsfeld 3 adressiert Impfangebote und die Organisation von Impfungen, dies schließt u.a. Erinnerungssysteme mit ein.

In Deutschland wird die HPV-Impfung zumeist in der kinder-, hausärztlichen oder gynäkologischen Praxis angeboten und verabreicht. Häufig geschieht dies im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen, z.B. bei der Jugendgesundheitsuntersuchung J1 – im Alter von 12 bis 14 Jahren. Werden die Kinderfrüherkennungsuntersuchungen in den ersten Lebensjahren bis zum Alter von 5 Jahren des Kindes (U1 bis U9) durch die Eltern bzw. Sorgeberechtigten noch zu einem sehr hohen Anteil in Anspruch genommen (Schmidtke et al. 2018), nimmt dies zur J1 deutlich ab (Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestags 2019). Gleichzeitig besteht bis zur U9 häufig ein Erinnerungs- bzw. Einladewesen, das bei der J1 weitgehend fehlt (Bödeker M. 2024). Zudem erscheint die J1 bislang nicht als Erinnerungshilfe im Kinderuntersuchungsheft, das den Eltern mit der U1 ausgehändigt wird. Die Altersgruppe der 9- bis 14‑Jährigen und der älteren Jugendlichen ist im Rahmen der kinder- und jugendärztlichen Gesundheitsuntersuchung derzeit schwer zu erreichen. Zudem hat die Mobilität in der Bevölkerung erheblich zugenommen, was den Verlust der primärärztlichen Anbindung befördern kann. Ein Konzept, mit dem die Impfraten gesteigert werden sollen, muss versuchen, auch den Teil der Alterskohorte zu adressieren, der über keine konstante primärärztliche Anlaufstelle verfügt.

Manche Menschen befinden sich aufgrund ihrer Lebensumstände in nachteiligen Situationen und suchen keine ärztliche Praxis auf oder haben aufgrund langer Anfahrtswege, familiärer und beruflicher Belastungen eine Hürde, in einer ärztlichen Praxis einen Termin zu vereinbaren. Nach dem IfSG können die obersten Landesgesundheitsbehörden bestimmen, dass die Gesundheitsämter unentgeltlich Schutzimpfungen oder andere Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe gegen bestimmte übertragbare Krankheiten durchführen oder Dritte damit beauftragen. Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) kann hier subsidiär tätig werden.

Konkrete Impfangebote im alltäglichen Umfeld können ein Ansatz sein, den Zugang zur HPV-Impfung Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern zu erleichtern. Aber auch Angebote, die gezielt Bedarfe von Bevölkerungsgruppen berücksichtigen, wie die Ansprache in der eigenen Muttersprache oder Klärung der Kostenübernahme, können die Impfung unterstützen. Der Abbau von Impfhürden kann ergänzend beinhalten, dass Impfungen zusammen mit anderen Gesundheitsmaßnahmen und ohne zusätzliche Kosten angeboten werden. Für Ärztinnen und Ärzte kann die Durchführung der Impfung ebenfalls vereinfacht werden, indem Impfungen im Rahmen weiterer regelhaft empfohlener Untersuchungen eingebettet werden und die Impfaufklärung ausdrücklich vergütet wird.

Ein verbessertes Impfmanagement kann gezielter auf die HPV-Impfung aufmerksam machen und an eine fällige oder verpasste Impfung erinnern, wodurch die Inanspruchnahme der HPV-Impfung gefördert werden kann. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen bietet Chancen, Informationen zu Impfungen und Erinnerungen an fällige Impfungen einfach, adressatengerecht und niedrigschwellig zu setzen. Papierversionen – seien es Untersuchungshefte oder Impfausweise – sind dafür anfällig, verlegt zu werden oder verloren zu gehen. Sie bieten zudem wenig Anlass, aktiv in die Hand genommen zu werden, um als Laie zu überprüfen, ob eine Impfung fällig ist. Aber auch herkömmliche Wege der Erinnerung an die Kinder-Früherkennungs- und Jugendgesundheitsuntersuchung, in deren Rahmen die HPV-Impfung häufig durchgeführt wird, – Einladungsschreiben per Post, Plakate in Arztpraxen – können wichtig sein. Damit können zudem Personen erreicht werden, die aus unterschiedlichen Gründen durch digitale Erinnerungs- und Informationssysteme nicht erreicht werden oder nicht erreicht werden können.

 

In Handlungsfeld 3 finden Sie:

Beispiele bestehender Projekte und Maßnahmen für niedrigschwellige Impfangebote:

  • Aufbau einer Infrastruktur für eine verbesserte Kommunikation und Koordination
  • Schulimpfungen
  • Allgemeines Impfangebot durch den ÖGD
  • Impfen in Humanitärer Sprechstunde des ÖGD

Beispiele bestehender Maßnahmen für ein verbessertes Impfmanagement:

  • Einladung zur Jugendgesundheitsuntersuchung J1
  • Impfmanagement-Software-Systeme für die ärztliche Praxis
  • Praxis-App

Handlungsempfehlungen der NaLI:

  • Aufnahme einer weiteren Früherkennungsuntersuchung in die Kinder-​Richtlinie und Dokumentation der J1 im Kinder-Untersuchungsheft
  • Versorgungskonzept Mädchensprechstunde M1
  • Flächendeckende Einladungs- und Recall-Systeme
  • Einführung des eImpfpasses
  • Niedrigschwelliger Zugang zu Impfungen und subsidiäres Angebot des ÖGD
  • Vereinfachung der Abrechnung von Impfleistungen
  • Überprüfung der Vergütung von Impfleistungen

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025