Impfstoffe & Sicherheit

Sachstand der SARS-CoV-2-Impfstoffentwicklung

Die Entwicklung – idealerweise mehrerer – wirksamer, sicherer und gut verträglicher Impfstoffe gegen das neue Coronavirus (SARS-CoV-2) ist weltweit eine große Hoffnung bei der Bekämpfung der aktuellen COVID-19-Pandemie. Der angestrebte Pandemie-Impfstoff könnte vor allem den Schutz von Risikopersonen für einen schweren Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion ermöglichen und idealerweise zur nachhaltigen Eindämmung des Virus beitragen.

Seit Entschlüsselung des Genoms sind innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl an verschiedenen Impfstoffprojekten gegen SARS-CoV-2 angelaufen. Aktuell gibt es weltweit über 230 Projekte für die Entwicklung von SARS-CoV-2-Impfstoffen mit einer guten internationalen Zusammenarbeit. Laut Angaben der WHO werden derzeit 63 Impfstoffkandidaten im Rahmen von klinischen Studien erstmals in Menschen an verschiedenen Studienorten weltweit erprobt (Stand: 06.01.2021). In Deutschland wurden bisher klinische Prüfungen für drei Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) genehmigt (Apr. 2020: mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer; Juni 2020: mRNA-Impfstoff von Curevac; Sep. 2020: Vektor-Impfstoff von DZIF, IDT Biologika etc.). Für zwei Impfstoffkandidaten (mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer) wurden mittlerweile (Stand: 01.12.2020) Zulassungsanträge bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) gestellt.

Am 21.12.2020 erhielt der COVID-19-Impfstoff "Comirnaty" von BioNTech/Pfizer durch die Europäische Kommission - als erster COVID-19-Impfstoff - eine bedingte Zulassung für die Europäische Union.  Als zweiter Impfstoff erhielt am 06.01.2021 der COVID-19-Impfstoff von Moderna ebenfalls eine bedingte Zulassung für die Europäische Union. Weitere Informationen zur Zulassung und Freigabe erster Chargen der zugelassenen COVID-19-Impfstoffe in Deutschland finden Sie auf dem Internetauftritt des PEI.

Am 17.12.2020 veröffentlichte die STIKO eine Empfehlung für die voraussichtlich bald in Deutschland verfügbaren Impfstoffe gegen COVID-19 im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts (RKI). Aufgrund der anfangs begrenzten Verfügbarkeit soll die Impfung zunächst bestimmten Personengruppen angeboten werden, die besonders durch COVID-19 gefährdet sind. In Zukunft wird die STIKO-Empfehlung fortlaufend angepasst, sobald weitere Impfstoffe in Deutschland zugelassen werden.

Seit dem 26.12.2020 wird in Deutschland gegen COVID-19 geimpft. Tabellen und Abbildungen zu durchgeführten COVID-19-Impfungen werden werktäglich durch das Robert Koch-Inistitut (RKI) zur Verfügung gestellt (Digitales Impfquotenmonitoring zur COVID-19-Impfung).

Neben der Impfung gegen SARS-CoV-2 ist es besonders wichtig, dass Standard-Impfungen gemäß Empfehlungen der STIKO wahrgenommen werden. So kann das individuelle Erkrankungsrisiko verringert und das Gesundheitssystem entlastet werden. Weitere Informationen zur Durchführung von Schutzimpfungen während der COVID-19-Pandemie finden Sie hier.

Strategien der SARS-CoV-2-Impfstoffentwicklung

Der aktuellen Impfstoffentwicklung liegen unterschiedliche Plattformen zu Grunde. Alle Strategien basieren auf dem Prinzip, unserem Immunsystem Bestandteile (sog. Antigene) des Erregers zu präsentieren, sodass eine Immunität gegenüber SARS-CoV-2 aufgebaut werden kann.

Einerseits werden lang etablierte Technologien verwendet, für die es bereits zugelassene Impfstoffe gibt (abgeschwächte Lebendimpfstoffe; inaktivierte oder proteinbasierte Totimpfstoffe). Die meisten Strategien nutzen aktuell jedoch neuartige Technologien, für welche bisher noch kein (z.B. genbasierte DNA- oder RNA-Impfstoffe) oder nur wenige zugelassene Impfstoffe (zwei kürzlich zugelassene Impfstoffansätze gegen das Ebolavirus) zur Verfügung steht. Für diese gibt es noch keine oder kaum Erfahrungen, so dass aufwändigere Entwicklungsphasen notwendig sind.

In klinischen Studien muss untersucht werden bzw. wird aktuell geprüft, ob und in welcher Dosierung ein Impfstoffkandidat in Erwachsenen und Älteren ausreichend wirksam und sicher ist.

Impfstoffkandidaten gegen SARS-CoV-2, die sich aktuell in klinischer Prüfung befinden

(Vereinfachte Übersicht, kein Anspruch auf Vollständigkeit; Stand: 06.01.2021)

Laut Informationen der WHO befinden sich aktuell bereits 19 der Impfstoffkandidaten in Phase 3-Studien bzw. wurden diese genehmigt, jedoch noch nicht mit der Rekrutierung von Probanden begonnen.

Zeitlicher Rahmen der Impfstoffentwicklung

Die Entwicklung eines sicheren und wirksamen Impfstoffs ist ein aufwändiges und sehr komplexes Verfahren und dauert in der Regel über 10 Jahre. Neue Technologien und Erfahrungen mit Impfstoffen gegen ähnliche oder verwandte Viren (z.B. MERS-CoV) wirken sich jedoch positiv auf die Impfstoffentwicklung gegen SARS-CoV-2 aus und können die Dauer der Entwicklung verkürzen. Auch die Verwendung sog. Plattformtechnologien, für die es bereits ähnliche Impfstoffe gegen andere Infektionserreger gibt, kann die Entwicklung von SARS-CoV-2-Impfstoffen befördern und beschleunigen. Ziel der Europäischen Kommission (EU-Strategie für COVID-19 Impfstoffe) ist es, dass ein entsprechender Impfstoff innerhalb von 12 bis 18 Monaten zur Verfügung steht.

Ab welchem Zeitpunkt Impfungen gegen COVID-19 potenziell angeboten werden können, hängt zudem nicht nur von Entwicklung und geprüfter Zulassung ab, sondern auch davon, wie schnell ein Impfstoff in ausreichenden Mengen produziert werden kann. Einige Hersteller produzieren ihre Impfstoffe bereits großtechnisch, obwohl die klinischen Phasen noch nicht abgeschlossen sind und sie dabei ein hohes wirtschaftliches Risiko im Falle eines Scheiterns ihres Kandidaten während der klinischen Erprobung oder im Zulassungsverfahren eingehen (siehe Internetauftritt des vfa).

Sicherheit eines Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 im Fokus:

Nach geltendem Arzneimittelrecht erhält ein Impfstoff nur dann eine Zulassung, wenn seine pharmazeutische Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit nachgewiesen sind. Den Nachweis darüber müssen die Hersteller in einem umfassenden Zulassungsverfahren in einer Reihe von vorklinischen Untersuchungen (z.B. tierexperimentellen Studien) und klinischen Prüfungen (erste Anwendung im Menschen) erbringen. In Deutschland werden die wissenschaftlichen Belege durch das PEI geprüft, auf EU-Ebene durch europäische Zulassungsbehörden inkl. des PEI unter Regie der Europäischen Arzneimittelagentur EMA.

Um möglichst schnell einen SARS-CoV-2-Impfstoff zu erhalten, werden die notwendigen Zulassungsverfahren frühzeitig vorbereitet, die notwendigen Studien teilweise parallel durchgeführt und die Dauer der einzelnen Studienphasen möglichst optimiert. Dabei prüft und bewertet das PEI in Deutschland die Impfstoffkandidaten jedoch weiterhin mit der notwendigen und gebotenen Sorgfalt. Die internationale Koalition der Arzneimittelbehörden (ICMRA) weist zudem daraufhin, dass Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit durch die Zulassungsbehörden weltweit auf einem hohen Niveau geprüft werden. So wird sichergestellt, dass der Nutzen einer Impfung die möglichen Risiken deutlich überwiegt (siehe Stellungnahme der ICMRA).

Wie bei jeder anderen Impfung wird es auch bei einer Impfung gegen SARS-CoV-2 nötig sein, Nutzen und Risiken abzuwägen. Diese Abwägung fällt möglicherweise für die einzelnen Impfstoffe unterschiedlich aus.

Auch nach erfolgter Zulassung wird die Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe weiter überwacht. Jede neu produzierte Impfstoffcharge muss, bevor sie auf den deutschen Markt kommt, nach einer unabhängigen Prüfung durch das PEI freigegeben werden (staatliche Chargenprüfung). Zudem sichert eine kontinuierliche Überwachung und Erfassung weiterer Daten im Rahmen der breiten Anwendung, eine schnellstmögliche Erfassung von potenziellen Risiken. Diese sogenannte post-marketing Surveillance ist unerlässlich, um weitere Informationen zur Sicherheit des Impfstoffs (z.B. Auftreten sehr seltener unerwünschter Nebenwirkungen) in größeren und heterogeneren Bevölkerungsgruppen, die nicht in klinischen Prüfungen vor Zulassung untersucht wurden, zu erhalten. Dies gewährleistet eine kontinuierliche Überprüfungdesmit der Zulassung festgestellten positiven Nutzen-Risiko-Profils, so dass bei neuen Erkenntnissen Impfempfehlungen ggf. adaptiert werden können.

Um die Verträglichkeit von COVID-19-Impfstoffen zeitnah und auf breiter Datenbasis zu erfassen, hat das PEI die Smartphone-App SafeVac2.0 entwickelt. Mit dieser können Geimpfte digital Auskunft darüber geben, wie sie die Impfung vertragen haben. So können Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Beobachtungsstudie aktiv dazu beitragen, weitere Erkenntnisse über COVID-19-Impfstoffe zu gewinnen. Weitere Informationen zur Smartphone-App SafeVac2.0 finden Sie hier.

Das klinische Studienprogramm bis zur Zulassung:

  • Phase 1:   Vorsichtiges Abschätzen der Immunogenität und Verträglichkeit an einer
                     kleinen Studienpopulation von meist weniger als 100 gesunden Probanden;
                     bei den aktuell laufenden SARS-CoV-2-Studien sind es bis zu 200 Probanden
  • Phase 2:   Dosisfindung und (weiterhin) Abschätzen der Verträglichkeit an einer größeren
                     Anzahl von Probanden (mehrere Hundert)
  • Phase 3:   Nachweis der Wirksamkeit und Bestätigung der Immunogenität und Sicherheit
                     an einer größeren Anzahl von Probanden (mehrere Tausend bis mehrere
                     Zehntausend)

Ausführliche Informationen zur Zulassung und klinischer Prüfung neuer Impfstoffe finden Sie hier.

Nationale Impfstrategie und STIKO-Empfehlungen zur COVID-19-Impfung

Die künftige Impfung gegen COVID-19 ist auf Basis von transparenter, fundierter Aufklärung und Freiwilligkeit geplant. Grundsätzlich wird angestrebt, mögliche Impfstoffe nach der Zulassung der gesamten Bevölkerung zugänglich zu machen. Vermutlich werden jedoch zu Beginn nur limitierte Mengen eines oder mehrerer Impfstoffe gegen COVID-19 zur Verfügung stehen. Deshalb wird in der Nationalen Impfstrategie des Bundes die Verteilung sowie die Durchführung und Organisation der COVID-19-Impfung in zwei Phasen geregelt:

  • Phase 1 – begrenzte Impfstoffverfügbarkeit: Gezielte, zentralisierte Impfung von Risikogruppen und exponierten Teilen der Bevölkerung (z.B. Krankenhauspersonal) in Impfzentren und mobilen Teams
  • Phase 2 – ausreichende Impfstoffmengen: Breite, dezentrale Routine-Impfung der Gesamtbevölkerung im Regelsystem (durch ärztliche Einrichtungen, niedergelassene Ärzte, Betriebsärzte)

Da von einer anfänglich begrenzten Verfügbarkeit auszugehen ist, muss eine Priorisierung von Personengruppen erfolgen. In diesem Rahmen veröffentlichte die STIKO im August 2020 eine Stellungnahme zu zukünftigen COVID-19-Impfungen mit verschiedenen Aspekten, die bei der Erarbeitung eines Konzeptes zur Priorisierung berücksichtigt werden müssen. Eine Impfempfehlung sollte zudem auch unter ethischen Aspekten bewertet werden (siehe dazu auch den Policy Brief zum Thema Ethik beim Impfen des Kompetenznetz Public Health COVID-19). Zu der Frage, welche Gruppen bei einer möglichen Impfung zuerst geimpft werden sollten (Priorisierungsentscheidung), veröffentlichte eine gemeinsame Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der STIKO, des Deutschen Ethikrates und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina am 9.11.2020 das gemeinsame Positionspapier "Wie soll der Zugang zu einem COVID-19-Impfstoff geregelt werden?"

Die erste STIKO-Empfehlung zur COVID-19-Impfung (veröffentlicht am 17.12.2020 im Epidemiologischen Bulletin des RKI) basiert auf dem aktuellen Wissensstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und berücksichtigt deshalb nur die Impfstoffe, die demnächst zum Einsatz kommen werden. Die Empfehlung wird fortlaufend durch die STIKO aktualisiert werden („Living Guideline“), sobald zusätzliche Impfstoffe in Deutschland zugelassen und verfügbar sind oder neue relevante Erkenntnisse bekannt werden.

Die Reihenfolge der Impfungen ist in der Coronavirus-Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums festgelegt, die auf der STIKO-Empfehlung aufbaut. Diese Rechtsverordnung ist am 15.12.2020 in Kraft getreten und regelt zudem Einzelheiten zum Anspruch auf eine Impfung, zur Terminvergabe und zur Vergütung und Finanzierung. 

Impfstrategien und Impfzentren der Bundesländer - eine Übersicht

Baden-Württemberg

Bayern

Berlin

Brandenburg

Bremen

Hamburg

Hessen

Mecklenburg-Vorpommern

Niedersachsen

Nordrhein-Westfalen

Rheinland-Pfalz

Saarland

Sachsen

Sachsen-Anhalt

Schleswig-Holstein

Thüringen

Weitere Informationen zum Stand der Forschung zur Impfstoffentwicklung gegen SARS-CoV-2

(Auswahl)

 

* Hinweis: die NaLI ist ein industrieunabhängiges Gremium; die Verlinkung zum Verband deutscher Pharmaunternehmen (vfa) dient lediglich der Übersicht über den aktuellen Stand und stellt keinerlei Werbung für darin aufgeführte Unternehmen dar.

Die Nennung von Unternehmen stellt ebenfalls keinerlei Werbung dar, sondern dient nur einer objektiven Darstellung des aktuellen Standes der Impfstoffentwicklung ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Letzte Aktualisierung: 08.01.2021

© Nationale Lenkungsgruppe Impfen