Impfempfehlungen

Standardimpfungen

Als Standardimpfungen werden Impfungen bezeichnet, die durch die Ständige Impfkommission (STIKO) empfohlen sind und die jeder durchführen lassen sollte. Diese Impfempfehlungen umfassen die Grundimmunisierung bei Säuglingen und Kleinkindern, aber auch Auffrisch- und Nachholimpfungen im Jugendlichen- und Erwachsenenalter.(1,2) Sie dienen in vielen Fällen nicht nur dem Schutz des Einzelnen, sondern sollen besonders auch das Ausbreiten übertragbarer Krankheiten verhindern und somit den Gemeinschaftsschutz (Herdenschutz) im Blick haben.

Ein wichtiges Impfziel ist die Erreichung eines vollständigen Impfschutzes für alle Altersgruppen.

Aktueller Impfkalender (vereinfachte Darstellung der STIKO-Impfempfehlungen)

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Die meisten Bundesländer beziehen sich in ihrer öffentlichen Empfehlung zu Schutzimpfungen auf diese Empfehlungen – bei einzelnen Impfungen gehen sie über die STIKO-Empfehlungen hinaus (siehe Öffentliche Impfempfehlungen der Länder). Zudem dient die STIKO-Empfehlung als Basis für die Schutzimpfungs-Richtlinien (SI-RL), welche durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) festgelegt werden und die Einzelheiten zur Leistungspflicht der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) regeln.

Mit der Grundimmunisierung sollte frühzeitig begonnen werden

Der sog. Nestschutz bietet Neugeborenen einen Schutz vor bestimmten Infektionskrankheiten. Dabei handelt es sich um eine natürliche, passive Immunisierung durch die Übertragung von mütterlichen Antikörpern vor der Geburt oder beim Stillen durch die Muttermilch. Die Dauer dieser Leihimmunität beträgt je nach Erreger jedoch nur wenige Wochen bis einige Monate.(3) Da aber besonders bei Eintritt in Gemeinschaftseinrichtungen wie Krippe oder Kindergarten das Risiko, sich mit infektiösen Krankheiten anzustecken, deutlich steigt, ist es wichtig, die empfohlenen Standardimpfungen direkt zu den empfohlenen Zeitpunkten durchführen zu lassen.

Mit der Grundimmunisierung sollte bei vielen der empfohlenen Impfungen möglichst frühzeitig begonnen werden, um rechtzeitig einen Schutz vor diesen, gerade bei Säuglingen häufig schwer verlaufenden, Infektionskrankheiten zu erzeugen. Es wird daher empfohlen, die erste 6-fach-Impfung mit Schutz z.B. vor Keuchhusten (Pertussis) und Hirnhautentzündungen durch Haemophilus influenzae Typ b (Hib) bereits ab einem Alter von 2 Monaten zu verabreichen, die erste Rotavirusimpfung entsprechend schon ab 6 Wochen. Die Grundimmunisierungen müssen, je nach Impfstoff, in bis zu 4 Teilimpfungen im Abstand von 1 bis zu mehreren Monaten erfolgen und sollten spätestens bis zum Alter von 14 Monaten (bzw. 23 Monaten bei der Masern-Mumps-Röteln- und Varizellen-Impfung) abgeschlossen sein. Bei einigen Impfungen sind zudem regelmäßige Auffrischimpfungen im Jugendlichen- und Erwachsenenalter notwendig, um einen lebenslangen Immunschutz zu gewährleisten.(1,2)

Die Überprüfung und ggf. Vervollständigung des Impfstatus ist in jedem Lebensalter sinnvoll.

Gerade im Hinblick auf den Gemeinschaftsschutz ist es erstrebenswert und notwendig, den Immunschutz gegen Infektionskrankheiten ein Leben lang aufrechtzuerhalten. Die U-Untersuchungen im Kindesalter bieten in vielen Fällen eine sehr gute Möglichkeit für das Durchführen der Grundimmunisierung. Aber auch im Jugendlichen- und Erwachsenenalter sind Auffrischimpfungen notwendig und sollten regelmäßig durchgeführt werden (z.B. Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten oder Kinderlähmung).

Die Schutzwirkung der Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) ist am größten, wenn die Grundimmunisierung vor dem ersten Sexualkontakt erfolgt. Sie umfasst mindestens zwei Impfungen im Abstand von 5 Monaten. Um dies zu gewährleisten, ist eine generelle Impfung von Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen. Versäumte Impfungen sollten spätestens bis zum Alter von 17 Jahren nachgeholt werden. Die HPV-Impfung hat als vorrangiges Ziel, das Auftreten von HPV-assoziierten Tumoren wie Gebärmutterhalskrebs oder Analkarzinomen zu reduzieren.(1,4)
Gerade ältere Menschen weisen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Pneumokokken- oder einer Influenza-Erkrankung (Grippe) auf. Auch Gürtelrose (Herpes Zoster) mit zum Teil schweren Komplikationen tritt in diesem Alter häufiger auf.

Bei Grippe-Erkrankungen kann es bei Senioren öfter zu Komplikationen wie Lungenentzündungen (Pneumonie) oder Herzinfarkt (Myokardinfarkt) kommen oder die Infektion kann sogar tödlich verlaufen. Deshalb empfiehlt die STIKO die einmalige Pneumokokken-Impfung , die Zoster-Impfung  und die jährliche Grippe-Impfung als Standardimpfung für alle Personen ab 60 Jahren. Aufgrund der hohen Variabilität der Influenzaviren sollte die Grippe-Impfung jährlich im Herbst mit einem Impfstoff mit aktueller, von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlener Antigenkombination, wiederholt werden. Für gesunde Kinder, Jugendliche und Erwachsene unter 60 Jahren (außer bei schwangeren Frauen und bei beruflicher Indikation) wird eine Impfung nicht ausdrücklich von der STIKO empfohlen, da eine Erkrankung in dieser Bevölkerungsgruppe in der Regel ohne schwerwiegende Komplikationen verläuft. Dennoch kann die Grippeimpfung auch bei diesen Personen durchaus sinnvoll sein, zumal gerade bei jungen Erwachsenen die Impfung die größte Wirksamkeit aufweist.(1,2,5,6)

Jeder Arztbesuch von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sollte dazu genutzt werden, die Impfdokumentation zu überprüfen und gegebenenfalls den Impfschutz zu vervollständigen.

Kombinationsimpfstoffe reduzieren die Anzahl der nötigen Impfungen

In vielen Fällen sind Kombinationsimpfstoffe gegen mehrere Erreger gleichzeitig erhältlich, so dass die Anzahl an nötigen Impfterminen reduziert werden kann.

Übersicht über häufig verwendete Impfstoffe für Standardimpfungen(1,7):

(Angaben ohne Gewähr für Vollständigkeit, Fachinformationen beachten)

Für weiterführende Informationen zu den Einzel- und Kombinationsimpfstoffen besuchen Sie bitte den Internetauftritt des Paul-Ehrlich-Instituts. Hinweise zur Durchführung von Schutzimpfungen und zur Wahl der Impfstoffe finden Sie in der aktuellen STIKO-Empfehlung.(1)
Aktuelle Informationen zur Verfügbarkeit von Impfstoffen und Hinweise bei Lieferengpässen finden Sie unter folgenden Links:

Quellen:

  1. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut – 2018/2019, Epidemiologisches Bulletin Nr. 34/2018
  2. Aktueller Impfkalender (Standardimpfungen) für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene des Robert Koch-Instituts
  3. Klaus Friese, Ioannis Mylonas, Andreas Schulze: Infektionserkrankungen der Schwangeren und des Neugeborenen. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-540-78325-1
  4. Wissenschaftliche Begründung für die Empfehlung der HPV-Impfung für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren, Epidemiologisches Bulletin Nr. 26/2018
  5. Saisonale Influenzaimpfung: Häufig gestellte Fragen und Antworten, Robert Koch-Institut – abgerufen am 08.05.2019
  6. Edward A. Belongia et al.: Variable influenza vaccine effectiveness by subtype: a systematic review and meta-analysis of test-negative design studies. Lancet Infect Dis. 2016 Aug;16(8):942-51. doi: 10.1016/S1473-3099(16)00129-8.
  7. Informationen des Paul-Ehrlich-Instituts zu zugelassenen Kombinationsimpfstoffen – abgerufen am 09.05.2019

Wissenswertes

Aktuelle Impfempfehlungen der STIKO in Kalenderansicht (pdf)

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