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Warum gegen Haemophilus influenzae Typ b (Hib) impfen?

Die durch das Bakterium Haemophilus influenzae Typ B ausgelösten schweren Erkrankungen im Säuglings- und Kleinkindalter sind heute dank Impfprävention glücklicherweise selten und daher eher unbekannt. Spezies der Haemophilus influenzae verursachen oft Infektionen der Atemwege, auch andere Organe können betroffen sein. Bei einer invasiven Hib-Erkrankung kann es zu Blutvergiftungen (Sepsis) und Entzündungen z. B. der Hirnhaut (Meningitis) oder des Kehlkopfdeckels kommen. Hib-Erkrankungen waren vor der Impfempfehlung eine der häufigsten schweren bakteriellen Erkrankungen bei Kindern.

1990 empfahl die STIKO für Säuglinge die Hib-Impfung. Damit wurde in den 90er-Jahren ein deutlicher Rückgang von 90%5 der Erkrankungen durch Hib erzielt.

Die Hib-Impfung richtet sich ausschließlich gegen den Kapseltyp b, welcher der häufigste Erreger dieser schweren Erkrankung im Kindesalter ist. Bei dem Erreger Haemophilus influenzae gibt es weitere Kapseltypen (a bis f). Er kommt auch unbekapselt vor und ist in diesem Falle nicht typisierbar.

Aktuell erkranken jährlich 7% Säuglinge und Kinder unter 5 Jahre. Hier handelt es sich meist um den unbekapselten Typ gegen den der Impfstoff nicht gerichtet ist. In den letzten Jahren zeigte sich ein Anstieg von Erkrankungen bei ältere Menschen ab 70 Jahren. Auch hier handelt es sich bei den typisierten Fällen meist nicht um den impfpräventablen Kapseltyp b.

Fakten zu Hib1,2,4

  • Erkrankungen durch Hämophilus influenza B können bei Kindern zu schweren Hirnhaut- und Kehlkopfentzündungen führen.
  • Die Ansteckung erfolgt über Tröpfcheninfektion (Husten oder Niesen) oder direkten Kontakt mit Atemwegssekreten.
  • Die Impfung ist der effektivste Weg, Kinder vor Hib-Erkrankungen zu schützen. Schon 2 Jahre nach Einführung der Hib-Impfung in Deutschland (1990) erzielte man einen eindeutigen Rückgang der Hib-Infektionen.
  • Invasive Infektionen mit Hib sind beim Gesundheitsamt meldepflichtig.

Hib-Symptome und mögliche Folgen 4

Die Hib-Infektion beginnt oft mit einer fiebrigen Infektion des Nasen-Rachen-Raums. Daraus können sich Mittelohr- und Nasennebenhöhlenentzündung sowie Bronchitis und Lungenentzündung entwickeln. Gravierend ist die eitrige Hirnhautentzündung (Meningitis). Sie tritt meistens in den ersten beiden Lebensjahren auf. Insbesondere sind Säuglingen bis zum 6. Lebensmonat betroffen. Meningitis kann schwere Langzeitschäden des zentralen Nervensystems (Hör- oder Sprachstörungen, Blindheit, Anfallsleiden und schwerste geistige Behinderung) verursachen. In den Industrieländern führt Meningitis bis heute bei 5% der Erkrankten zum Tod. Auch die Entzündung des Kehldeckels (Epiglottitis) kann durch Erstickungsanfälle tödlich enden.

Hib-Impfempfehlung2

  • Laut Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) sollten Säuglinge und Kleinkinder gegen Hib immunisiert sein.
  • Die STIKO empfiehlt neu ein reduziertes Impfschema für reifgeborene Kinder mit 3 Impfungen im 1. Lebensjahr (Grundimmunisierung, 2+1-Schema):
    1. Impfung im Alter von 8 Wochen
    2. Impfung im Alter von 4 Monaten
    3. Impfung im Alter von 11 Monaten (zwischen der 2. und 3. Impfstoffdosis muss für einen zuverlässigen Langzeitschutz ein Abstand von mindestens 6 Monaten eingehalten werden)
  • Die Hib-Impfung erfolgt i. d. R. mit einem Kombinationsimpfstoff, der gleichzeitig gegen Wundstarrkrampf (Tetanus), Keuchhusten (Pertussis), Kinderlähmung (Poliomyelitis), Diphtherie und Hepatitis B schützt.

Mögliche Impfreaktionen 1,4

Als Zeichen einer Reaktion des Immunsystems können Rötung, Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle auftreten. In seltenen Fällen schwellen mehrere Gliedmaßen an. Eine häufige Reaktion ist hohes Fieber (ab 39°C) und Infektion der oberen Atemwege. Auch Frösteln, Müdigkeit, Muskelschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden können in diesem Zeitraum auftreten. Diese Symptome klingen meist nach ein bis drei Tagen ab. Sehr selten sind allergische Reaktionen.

Detaillierte Informationen zu sehr seltenen Impfreaktionen (d.h. weniger als 1 von 10.000 Geimpften) und Nebenwirkungen finden Sie unter diesen Links: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und dem Paul-Ehrlich-Instituts (PEI).

Quellen:

  1. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) – abgerufen am 07.10.2021
  2. Aktuelle STIKO-Empfehlungen– abgerufen am 07.10.2021
  3. RKI FAQs Hib-Impfung– abgerufen am 07.10.2021
  4. RKI-Ratgeber - abgerufen am 07.10.2021
  5. RKI Jahresbuch 2020 - abgerufen am 07.10.2021
 
 

 

Letzte Aktualisierung: 18.10.2021

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