Nationales HPV-Impfjahr
Für eine möglichst große Wirkung und eine hohe Reichweite der in den vorangegangenen Kapiteln vorgeschlagenen Handlungsempfehlungen schlägt die NaLI die Durchführung eines nationalen HPV‑Impfjahres vor. Ziele des Impfjahres sind es, unter Einbindung möglichst vieler industrieunabhängiger Akteure das Bewusstsein für die Bedeutung der HPV-Impfung zu stärken und die HPV-Impfquoten sowohl bundesweit als auch regional signifikant zu steigern.
Für das Impfjahr sollten in Deutschland medizinische, gesundheitspolitische und gesellschaftliche Akteure für eine breite Koalition gewonnen werden, um Aktionen und Initiativen zu unterstützen oder durchzuführen. Zu den Akteuren, die beim HPV-Impfjahr idealerweise einbezogen werden sollten, gehören neben den Mitgliedern und ständigen Gästen der NaLI und seiner Arbeitsgruppen auch weitere impfrelevante Berufs- und Fachverbände, wissenschaftliche Institutionen, landespezifische Impfarbeitsgruppen, Krebsgesellschaften, Anbieter von Impfaufklärung im schulischen Umfeld sowie gesetzliche und private Krankenkassen.
Um den Eindruck von Interessenskonflikten zu vermeiden, ist eine direkte Einbindung der Hersteller der HPV-Impfstoffe nicht vorgesehen. Damit jedoch keine Lieferengpässe bei den HPV-Impfstoffen auftreten, sollten die Hersteller vorab über geplante Impfaktionen informiert werden, damit ein möglicherweise erhöhter Bedarf während des Impfjahrs bei der Produktion berücksichtigt werden kann.
Zur Vorbereitung gemeinsamer bundesweiter Aktionen und zur Bereitstellung personeller sowie finanzieller Ressourcen wird im Austausch mit den NaLI-Mitgliedern das Jahr 2028 als sinnvoller Zeitpunkt für das HPV-Impfjahr angesehen.
Grundkonzept
Im Einklang mit den Hauptzielen des HPV-Impfkonzepts der NaLI sollte das Impfjahr eine Kombination aus Öffentlichkeitsarbeit, Fortbildungsangeboten und Impfaktionen umfassen. Eine koordinierte Öffentlichkeitsarbeit unter einer gemeinsamen Dachmarke sowie ein intensiviertes Fortbildungsangebot für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sollen dabei der Steigerung des HPV-Impfwissens dienen, während konkrete Impfangebote direkt zur Steigerung der HPV-Impfquoten beitragen. Die einzelnen Maßnahmen und Aktionen sollten in ihrer Gesamtheit die unterschiedlichen Zielgruppen der HPV-Impfung ansprechen.
Aufklärungsangebote vor Ort sollten, wenn möglich, mit einem Impfangebot kombiniert werden, um die erhöhte Aufmerksamkeit zu nutzen. Neben den Arztgruppen, die am häufigsten HPV-Impfungen verabreichen – wie Pädiaterinnen und Pädiater, Hausärztinnen und Hausärzte sowie Gynäkologinnen und Gynäkologen – könnten auch weitere Facharztgruppen (wie z.B. Dermatologie; HNO, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde) einbezogen werden. Zudem sollten Impfmöglichkeiten durch den ÖGD ermöglicht bzw. angeboten werden. Wünschenswert wäre es, wenn bis dahin alle Bundesländer dies auf Basis einer ÖGD‑Rahmenvereinbarung mit den Krankenkassen ermöglichen könnten.
Durch eine begleitende Berichterstattung unter Einbeziehung öffentlicher Medien und die nachdrückliche Unterstützung relevanter ärztlicher Verbände sowie weiterer Akteure sollte ein möglichst hohes Maß an Aufmerksamkeit für HPV und die HPV-Impfung erzeugt werden. Neben den Aufklärungsaktionen vor Ort sollte während des HPV-Impfjahres auch kontinuierlich durch Pressemitteilungen, Websites, Social-Media etc. zusätzliche Aufmerksamkeit für die HPV-Impfung erzeugt werden.
Bundesweite Aktionen und länderspezifische Projekte können sich zeitlich an bestehenden jährlichen, thematisch passenden Aktionstagen, -wochen und -monaten orientieren und so ein ganzes Jahr abdecken. Dazu eignen sich zum Beispiel:
- der Internationale Gebärmutterhalskrebs Awareness Monat Januar
- der Weltkrebstag am 4. Februar
- der Internationale HPV Awareness Tag am 4. März
- der Weltfrauentag am 8. März
- der Weltgesundheitstag am 7. April
- die Europäische Impfwoche Ende April (als Nationale Impfwoche)
- der Internationale Aktionstag für Frauengesundheit am 28. Mai
- die Nationale Impfkonferenz (Zeitpunkt im Jahr variabel; nächste Ausrichtung im Jahr 2028)
- der Welttag der sexuellen Gesundheit am 4. September
- die Nationale Krebspräventionswoche im September
- der internationale Männertag am 19. November
- der Internationale Tag der Kinderrechte am 20. November
Eine übersichtliche Darstellung der einzelnen Aktionen und Initiativen auf einer Website für das HPV‑Impfjahr (Landing-Page) oder auch der NaLI-Website wird angestrebt.
Koordination und Finanzierung
Um ein Projekt dieses Umfangs erfolgreich zu planen und sicherzustellen, dass die durchgeführten Maßnahmen und Aktionen als gemeinsame Anstrengungen der beteiligten Akteure wahrgenommen werden, muss das HPV‑Impfjahr entsprechend koordiniert und organisiert werden. Aktuell wird dazu ein Konzept durch die NaLI-AG Masern/Röteln/HPV erarbeitet. Alle Akteure aus der NaLI und der Arbeitsgruppe planen eine Beteiligung am HPV-Impfjahr im Rahmen ihrer Ressourcen.